Jahrtag mit Zeitreise

In Haibühl haben vor über 130 Jahren Idealisten den Grundstein zur Gründung einer Feuerwehr gelegt. Mit dem obersten Ziel Mitmenschen in Notlagen zu helfen ist die Feuerwehr seither ständiger Begleiter der dörflichen Gemeinschaft, in Gefahrenlagen präsent und nicht mehr wegzudenken. Mit dem Jahrtag soll immer wieder an die Anfänge erinnert und allen verstorbenen Kameraden Anerkennung zu teil werden.

Vergangenes Wochenende war es wieder soweit. Über 20 Feuerwehrkameraden der FFW Haibühl-Ottenzell kamen am Samstagabend in der Ortsmitte von Haibühl zusammen und marschierten zur Marschmusik der Blaskapelle zur Pfarrkirche, wo die Kameraden an der Vorabendmesse teilnahmen.  Pfarrer Johann Wutz, der die Feuerwehrkameraden extra begrüßte, nahm in seiner Predigt Bezug auf den ungläubigen Thomas, der Zweifel hatte und sich schwer mit dem Glauben tat. Diese Geschichte zeige, dass Glaubenszweifel ganz normal seien. Zweifel könnten durch leibhaftige Begegnungen genommen werden. Solche Begegnungen seien in den Sakramenten möglich. Eucharistie sei Begegnung und Berührung mit dem Herrn. Hier werde die Sehnsucht gestillt. Wutz schlug vor auf der Suche nach dem Glauben, das zu ergreifen, was einem aus dem Herzen spreche.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienstbesuch zogen die Feuerwehrler zusammen mit Pfarrer Johann Wutz unter musikalischer Begleitung zum Gerätehaus in der Engelshütter Straße. Dort richtete dann zunächst der Geistliche das Wort an Mitglieder der Feuerwehr Haibühl-Ottenzell, die sich versammelt hatten, um ihrer verstorbenen  Kameraden zu gedenken. Wutz machte darauf aufmerksam, das in acht Tagen (4. Mai) der Gedenktag des Hl. Florian, Schutzpatron der Feuerwehr ist. Der Fürsprecher könne den Feuerwehrlern helfen ihrem Leitspruch "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr" treu zu bleiben.
Erster Vorsitzender Michael Klingseisen meinte, dass zwar die Jahreshauptversammlung die wichtigste Pflichtveranstaltung im Vereinsjahr sei, jedoch der Jahrtag den Höhepunkt im  Vereinsleben darstelle. " Der Jahrtag ist unser Tag. Ein Tag den wir nach unseren zeitlosen Werten, unseren eigenen Traditionen gestalten und entsprechend würdig feiern dürfen. ", so Klingseisen, der diesen Tag gerne als Geburtstag, bei dem der  Verein alle Jahre reifer wird, sieht. Mit dieser Zusammenkunft würden die Kameraden Flagge für  Kameradschaft und Zusammenhalt zeigen.

Darüber hinaus werde der gemeinsame Glaube, der der Wehr seit jeher als Grundpfeiler und Stütze diene, gewürdigt. Ebenso sei die Erinnerung an die verstorbenen Kameraden und Vereinsmitglieder wichtiger Bestandteil. "Bewahren wir unsere Vergangenheit und unseren Glauben, leben mit diesem Wissen unsere Gegenwart und gestalten gemeinsam unsere Zukunft.“, mit diesem Auftrag beschloss der Vorsitzende seine Rede und legte zum Zeichen der Dankbarkeit und Erinnerung ein Gesteck nieder. Nach dem Kommando "Kameraden still gestanden!  Senkt die Fahne!" ließen die Musikanten wieder ihre Instrumente erklingen. Bevor Klingseisen nach dem Motto "nach der Mess die Maß" zum
gemeinsamen Rehessen (Reh gestiftet von Bürgermeister Sepp Schmid , gekocht von Meil) mit Freibier und vor allem zum heimatgeschichtlichen Rückblick von Schriftführer Sepp Eckl einlud, sagte er allen die zur würdigen Feier beigetragen haben ein herzliches vergelt `s Gott. 

Wie in den Jahren zuvor, so hatte Eckl auch in diesem Jahr ein Thema, über das er beim Jahrtag so einiges erzählen konnte,  ausgesucht.  Dieses Mal ging es um die Ausstellung zum 100 jährigen Gründungsfest 1985. Damals sei in der Schulturnhalle unwahrscheinlich viel "Altes" zusammengetragen worden. Sämtliche Ausstellungsstücke habe man dann in drei Blöcke, nämlich
Landwirtschaft, "Wie haben die Leute gelebt" und "Stoiber-Bilder" aufgeteilt.  Um an die Ausstellung zu erinnern beziehungsweise sie den jüngeren Kameraden vorzustellen, präsentierte Eckl dann beim einen kleinen Teil seines Fotomaterials von 1985.

Zum Block Landwirtschaft zeigte er beispielsweise  Eggen, Pflug, Brotzeitkrüge, "Dengl-Stock", Leiterwagen, Streuwagen, Windmühle oder  Kornmandl, wie sie früher bei der Kornernte überall zu sehen waren.  oder Backtrog konnten bei der  ebenfalls bei der Ausstellung.  Zur einstigen  "Gsodschneidmaschin" (heute: Futtermischwagen) erläuterte Eckl, wie zu vielen weiteren Gerätschaften Funktionsweise und Verwendungszweck. Eine Vorstellung zum Leben der Menschen in der Zeit als die Feuerwehr Haibühl-Ottenzell gegründet wurde, lieferten Möbel aus Schlafkammer oder  Wohnstube. Zu den  Stoiber-Bildern, die die Bürger für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatten, erzählte Eckl, dass diese aus Angst vor Diebstahl täglich in große Truhen verstaut und in der Sakristei der Kirche eingesperrt wurden.

Abschließend zitierte der begeisterte Heimatforscher aus einem Zeitungsbericht vom damaligen Chef der Kötztinger Zeitung. Dieser zeige, welch enorme Beachtung  die Ausstellung fand.
Nach einem begeisterten Applaus der Zuhörer bedankte sich Vorsitzender Klingseisen bei Prof. Dr.  Josef Eckl, den er als "Wikipedia vo Hoibe" bezeichnete, für den interessanten Vortrag mit einem Geschenk (Holzkugelschreiber).